Köln-Brauweiler, Deutschland


Freitag, 28. Januar 2005

Rockmusik in einer Schule? Gibt´s nicht? Gibt es eben doch!


Am Freitag, den 28.Januar gastierte nämlich Barry Mc Cabe in einer etwas ungewöhnlichen Location: im Abtei-Gymnasium in Köln-Brauweiler.
Möglich wurde dies erst aufgrund des Einsatzes der am besagten Abtei-Gymnasium beschäftigten Lehrerin Brigitte Meurer, die nach mehreren Klassik-Konzerten den Mut dazu hatte, auch einmal etwas Neues auszuprobieren - und mit Barry Mc Cabe und seiner Band kurzerhand etwas "kräftigere" Musik für diesen Abend buchte.
Leider stand dieses Unternehmen unter keinem besonders guten Stern, denn aufgrund einer recht kurzen "Anlaufzeit" und anderer interner Schwierigkeiten konnte im Vorfeld nicht genügend Werbung für dieses Konzert gemacht werden. Infolgedessen waren dann auch leider nur ca 40 - 50 Besucher anwesend, unter welchen sich auch einige Lehrer und Schüler des Gymnasiums befanden. Es ist wirklich ein Jammer, denn was an diesem Abend von Seiten der Band geboten wurde war - wie immer - absolut hörens- und sehenswert.


Das Konzert begann mit einem Dudelsack-Intro von Francis McIllduff, der zunächst alleine auf die Bühne stieg und loslegte. Nach und nach kamen dann die anderen Musiker ins Rampenlicht und stiegen mit ihren Instrumenten ein - alleine Barry Mc Cabe fehlte noch. Dann hörte man plötzlich kräftige Gitarrentöne und er kam - dabei seine Gitarre spielend - als letzter auf die Bühne.


Wer den irischen Gitarristen Barry Mc Cabe bereits schon einmal gesehen hat weiß, daß er und seine Band sich auf einem absolut hohen Niveau bewegen. Den anderen sei es hiermit gesagt!
Was die Jungs präsentieren, ist Rock und Blues, vermischt mit keltischen Einflüssen, die durch die Untermalung mittels Dudelsack und Low Whistle (das ist eine keltische Flöte) von Francis Mc Illduff noch verstärkt werden. Dabei macht Francis auch nicht vor schnell gespielten Soli mit den "pipes" halt, die bei Rock und Rock´n Roll einfach nur fantastisch rüberkommen und die Musik auf eine fast nicht zu beschreibende Art Irisch einfärbt. Komplettiert wird das Line Up durch Schlagzeug und Bass sowie Keyboards (die Namen dieser Herren sind uns leider aufgrund einer kürzlich erst ausgewechselten Besetzung noch nicht bekannt).
Das Ganze ist blitzsauber und professionell gespielt. Dazu kommt eine Spielfreude, die sich innerhalb kürzester Zeit auf die Zuhörer überträgt.


Trotz der Tatsache, dass an diesem Abend nur wenige Leute anwesend waren, brannte die Band dementsprechend einmal mehr ein Feuerwerk ab!
Das erste Stück, "Pick A Bale O´ Cotton" war ein sehr gitarrenbetonter und erdiger Rock und sorgte schon von Beginn des Konzertes an für die richtige Stimmung! Danach ging es direkt medleyhaft mit "You Don´t Love Me" in einen recht schnellen Rock´n Roll über. Und in diesem Stil ging es weiter!
Schneller Rock und Rock´n Roll, mit tollen Keyboards und eben den Gitarrenriffs und Soli von Barry, bei denen deutlich wird, dass Rory Gallagher nicht nur eines seiner Vorbilder ist, sondern auch seinen eigenen Stil mitgeprägt hat, wurde genauso geboten wie langsamer und sehr gefühlvoller Blues, wobei hierbei für mich das Stück "Full Moon On Mainstreet" (von F. James) ein absolutes Highlight war - Gänsehautfeeling machte sich breit! Irgendjemand hatte Wunderkerzen mitgebracht, die angezündet und über den Köpfen geschwenkt wurden.
Ein weiteres Highlight war "One Of These Days" (nein, nicht das Stück von Pink Floyd), das mit einem treibenden und durchgehenden Bass gespielt, so richtig "von unten" kam und mit einem tollen Keyboardsolo abgerundet wurde.


Zwischendurch brachte Barry Mc Cabe dann ein akustisches Set, das mit dem Stück "The Emigrant" begann und das Barry nach dem Tod von Rory Gallagher geschrieben und ihm gewidmet hat. Es ist ein nachdenkliches, sehr emotionales und gefühlvoll gespieltes Instrumentalstück auf der Westerngitarre, untermalt mit einer geradezu fantastischen "Low Whistle" - Melodie. Man muß es hören, denn beschreiben kann man nicht, wieviel Gefühl in diesem Lied steckt.
Einfach genial!
Nach dem Akustikpart gab es, unter anderem mit "Oh Well" und "Kissin´ In Your Sleep", wieder Musik für die Beine.


Das Konzert endete schliesslich mit "The Peace Within", einem hart gespielten Rock´n Roll und die Band gab jetzt noch einmal richtig Gas! Barry spielte seine Soli teils mit den Zähnen, dann wieder mit dem Slide und das manches Mal im Schlagabtausch mit Keyboard und Dudelsack.
Danach gab es noch zwei weitere Zugaben, insgesamt dauerte der Gig etwa zwei Stunden.
Es ist schon fast unvorstellbar: Da kommt ein absoluter Profi mit einer ebenso professionellen Begleitband und spielt sich in einer Schule für einen Eintrittspreis von 7,- (!!) Euro vor vielleicht 50 Zuschauern die Seele aus dem Leib - auf einem Niveau, das von wesentlich "bekannteren" Bands nach meinem Dafürhalten oft wohl nur schwerlich gehalten werden kann.
Barry Mc Cabe hätte mehr verdient - viel mehr. Denn seine Konzerte sind nicht zu toppen!
Wie ungerecht ist doch das Musikbusinness!
Peter Rodenbüsch